Glo. Die Bibel

Glo. Die Bibel (DVD). SCM R. Brockhaus, Witten. Website: glo.bibel.de. 79,95€.

Systemvoraussetzungen: Betriebssystem: Windows, Mac OS X, iOS

Autor der Rezension: Benedict Schöning

Erstellt: November 2014

Dass Glo anders ist als andere Bibelsoftware, merkt man schon an der edel gestalteten Verpackung, in der die drei Installations-DVDs geliefert werden. Das Layout bleibt von der Verpackung bis in die Software konsequent in edlem Schwarz mit kräftigen Farbakzenten. Der Eindruck, es hier mit einem gut durchdachten Produkt zu tun zu haben, hält sich durch.

Installation

Zur Installation benötigt man in der einfachsten Variante nur die erste der drei DVDs, allerdings immer zwingend auch eine Internetverbindung. Die weiteren DVDs sind nur nötig, wenn man die Materialien (Fotos, Karten, Grafiken) auch offline zur Verfügung haben will. In der Standardkonfiguration lädt Glo diese Daten aus dem Internet nach und spart so rund 10GB Platz auf der Festplatte. Zum Betrieb wird die Internetverbindung nicht zwingend benötigt, es stehen dann eben nur bereits heruntergeladene Materialien zur Verfügung.

Nach der Installation wird man aufgefordert, sich zu registrieren und anschließend die Seriennummer einzugeben. 34 Zeichen und einen Neustart später ist Glo dann einsatzbereit. Man kann die Registrierung zwar vorerst überspringen, hat dann aber nur den Funktionsumfang der stark eingeschränkten Gratisversion von Glo.

Zur Installation und zum Betrieb von Glo braucht der Benutzer unter Windows Administratorenrechte. Zwar erklärt die Onlinehilfe einen Weg, die Software auch ohne erhöhte Rechte zu nutzen, übernimmt aber explizit keine Verantwortung für dadurch entstehende Schäden am Betriebssystem und empfiehlt diesen Workaround nur geübten Anwendern. Im Test haben die Maßnahmen keine Wirkung gezeigt, das Programm hat weiterhin bei jedem Start Administratorrechte eingefordert.

Ansonsten ist die Hilfe auf der Webseite von Glo vorbildlich gefüllt und beschrieben und adressierte alle offenen Fragen im Test.

Fünf Welten

Die Startseite von Glo präsentiert sich schlicht und übersichtlich, verwendet aber nicht die typischen Bedienelemente des jeweiligen Betriebssystems, sondern integriert die Schaltflächen für die Fenstergröße in das Programmfenster. Es bietet sich an, mit Glo im Vollbildmodus zu arbeiten.

Auf der Startseite sind die „Fünf Welten” von Glo dargestellt: Bibel, Zeitleiste, Atlas, Themen und Medien. Alle Bereiche erschließen das Material unter dem jeweiligen Fokus: Wer Bibel lesen will, wählt Bibel, wer sich im Atlas über die Welt der Bibel informieren will, wählt den Atlas. Diese Welten sind aber nicht in sich geschlossen, sondern können untereinander verbunden werden. Über einen Rechtsklick lassen sich Begriffe und Stichworte an die anderen Bereiche übergeben. So kann man sich einen Ort im Bibeltext im Atlas anzeigen lassen oder umgekehrt zu einem Ort im Atlas alle Belegstellen in der Bibel finden. Diese Verknüpfung ist für nahezu alle Schlagworte möglich, ist jedoch nicht immer garantiert. Wenn man mit weniger relevanten Schlagworten arbeitet, steht man oft vor einer leeren Suchseite.

Bedienung

Die Bedienung von Glo ist intuitiv und über alle Bereiche hinweg gleichbleibend. Über eine Seitenleiste kann man jederzeit die Bereiche wechseln. In den Bereichen ist immer ein Suchfeld vorhanden, mit dem man zu den gesuchten Begriffen kommt. In allen Bereichen ist das Mausrad das wichtigste Werkzeug, damit zoomt man herein und heraus und wechselt so zwischen Themen, Kartenansichten oder Bibelstellen. Die rechte Maustaste benötigt man nur, um Begriffe zu übergeben oder zu kopieren.
Wenn man einen neuen Bereich öffnet, legt Glo eine neue Sitzung an. Zwischen diesen Sitzungen kann man beliebig hin und herwechseln, sodass man parallel an unterschiedlichen Themen arbeiten kann. Der Stand der Sitzungen wird von Glo automatisch und ohne Möglichkeit des Widerspruchs mit den Servern des Herstellers synchronisiert, sodass Arbeitsstände auf verschiedenen Endgeräten zur Verfügung stehen. Innerhalb einer Sitzung kann man vor- und zurückspringen.

Bibel

In zwei Schritten scrollt man mit dem Mausrad aus der Bibelübersicht auf die Ebene des Buches, wo man neben den Buchkapiteln eine Einleitung, einen Kartenausschnitt mit wichtigen Orten und eine Verortung auf der Zeitleiste findet und dann auf die Ebene des Textes. Erst in dieser lässt sich die Übersetzung des Textes auswählen. Eine Bibelstelle kann man nur über die Suchfunktion eingeben, im Text selbst lässt sich nur das Buch auswählen.

Im ausgelieferten Umfang sind in Glo drei Bibelübersetzungen enthalten: Die Elberfelder Bibel, Neues Leben (deutsche Ausgabe der New Living Translation) und die English Standard Version (ESV). Die Lutherbibel (1984) kann über den Store hinzugekauft werden.

Der Text wird sehr übersichtlich dargestellt. Wählt man einen Vers aus, so zeigen die beiden Felder unten dazu passende Informationen aus „Begegnung fürs Leben” (links) und ergänzende Materialien (Fotos, Karten, 3D-Rekonstruktionen etc.; rechts) an.

Die Texte lassen sich mit Notizen versehen, auch lässt sich eine Verbindung zum Portal „YouVersion”, das Notizen zwischen Benutzern austauschbar macht, herstellen. Über eine eigene Schaltfläche lassen sich auch Lexikonartikel aus dem „Lexikon zur Bibel” aufrufen.

Es lässt sich immer nur eine Übersetzung gleichzeitig lesen. Etwas störend ist, dass der Wechsel zwischen Kapiteln immer mit Ladezeiten verbunden ist.
Die Quelle der Einleitungen zu den biblischen Büchern ist leider nicht ersichtlich, inhaltlich sind sie nicht nur deswegen unhaltbar. So wird für die Genesis als Verfasser Mose und als Datierung 1450 - 1410 v. Chr. vorgeschlagen. Von ähnlicher Prägung sind auch die unten angezeigten Informationen von „Begegnung fürs Leben”.

Zeitleiste

Die Zeitleist orientiert sich an der biblischen Chronologie, also an der jeweils erzählten Zeit. So findet man das Buch Ijob bzw. seine Geschehnisse im Jahre 2050 v. Chr. verortet. Theorien zur Textentstehung werden hier nicht abgebildet oder reflektiert, auch sind kaum außerbiblische historische Ereignisse eingetragen.

Atlas

Der Atlas gehört zu den großen Stärken von Glo. Die Luftbilder werden mit den Städtenamen überlagert. Zoomt man heran, gelangt man zu einer politischen Karte, in einigen Teilen der Karte auch zu detaillierten Luftaufnahmen. Es lassen sich bestimmte Beschriftungen auswählen, etwa die Wiedergabe aller Schlüsselorte eines biblischen Buches.

Mitunter zeigt sich auch bei den Karten die spezifische Hermeneutik, die schon beim Material rund um den Bibeltext zu bemerken war. So wird in Jerusalem wie selbstverständlich der Berg Morija (vgl. Gen 22; 2 Chr 3,1) verortet, in einer anderen Darstellung auch Salem (Gen 14).

Medien

Aus dem Atlas heraus oder auch aus dem Bibeltext heraus stößt man immer wieder auf die zweite große Stärke von Glo, nämlich die Medien.

Hier finden sich vor allem viele qualitativ hochwertige Fotografien, die so derzeit in keiner anderen Bibelsoftware zu finden sind. Zahlreiche Panoramen zeigen das Land der Bibel mit seinem heutigen Gesicht. Wenn es detaillierte Ansichten einzelner Orte gibt, dann sind diese nahtlos verlinkt. So kann man vom Berg Arbel aus von weitem nach Kafarnaum („Kapernaum”) schauen und sich dann Klick für Klick der dortigen historischen Synagoge nähern, um ihre alten griechischen Inschriften zu lesen.

Manche Fotos zeigen aber auch historisierende Darstellungen etwa einer nachgebauten Schreinerwerkstatt. Unter den Medien finden sich ebenfalls Kunstwerke zu biblischen Themen und sogenannte 3-D-Touren. Damit sind mitunter die genannten Panoramen gemeint, es gibt aber auch virtuelle Rekonstruktionen wichtiger Ereignisse und Bauwerke (Tempel, Zelt der Begegnung etc.). Letztere sind von zweifelhaftem Wert: Die technisch-künstlerische Umsetzung ist zwar gelungen, jedoch wird damit eine historische Verlässlichkeit vermittelt, die keiner wissenschaftlichen Überprüfung standhält. Gerade wenn der Bibeltext beispielsweise bei der Schilderung des Zeltheiligtums in der Vorstellung der Leserinnen und Leser ein Bild hervorrufen will, so wird einem dies durch die 3-D-Rekonstruktion, in der man virtuell herumlaufen kann, abgenommen. Es ist fraglich, ob dies dem Verständnis des Textes dient. Auch fällt es damit möglicherweise schwerer sich klarzumachen, dass dieses Heiligtum so nie existiert hat, sondern immer eine „literarische” Größe war. Eine fundamentalistische Historisierung der biblischen Texte ist da nicht mehr weit.

Themen

Der Bereich „Themen” verortet nach dem Modus einer MindMap auf einer Sternenkarte diverse Themen, die mit Glaube und Spiritualität im weitesten Sinne zu tun haben. Die Verlinkungen sollen jeweils zu Materialien zu diesen Themen führen. Allermeist landet man aber auch hier auf leeren Seiten. Laut Auskunft der Webseite soll dieser Bereich in Zukunft erweitert werden.

Fazit

Glo ist derzeit, so auch die Selbstauskunft auf der Webseite, noch nicht fertig. Das Angebot soll kontinuierlich erweitert werden. Mit der ständigen Onlineverbindung wird das Nachreichen von Inhalten unproblematisch. Sollten weitere Übersetzungen ins Programm kommen, wird man diese wohl aber über den derzeit dünn bestückten Store nachkaufen müssen. Für Windows und iOS gibt es Glo auch als App, eine App für Android ist derzeit nicht in Planung.

Was Layout, Bedienung und generelle Stringenz angeht, ist Glo höchst vorbildlich entwickelt. Eine solche einfache Zugänglichkeit würde man sich auch von anderer Bibelsoftware wünschen. Allerdings ist diese Einfachheit um den Preis der Inhalte erkauft. Wissenschaftlich lässt sich mit Glo nicht arbeiten. Durch das Programm zieht sich in allen Punkten der Versuch, die Bibel textlich, historisch und geographisch konsistent zu erschließen. Hier werden vor allem evangelikal ausgerichtete Christen angesprochen. Subtil klingt dabei ständig ein „die Bibel hat recht” durch, wobei Rechthaben hier vor allem auf innerweltliche Plausibilisierung aus ist und den Charakter der Texte als solche außer Acht lässt.

Mit kritischem Sachverstand lässt sich das Gute an Glo nutzen, nämlich vor allem die breite Auswahl an qualitätvollen Medien, die mit intuitiv angenehmer Bedienung erschlossen werden. Für die Erhellung des realienkundlichen Hintergrunds wird hier viel geboten. Für eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den Texten wäre aber eine sachlichere und hermeneutisch reflektiertere Basis sinnvoller.