The Bible Study App/Bible+ (Android)

Autor der Rezension: Prof. Dr. Thomas Hieke

Erstellt: Juni 2015

Allgemeines

Die amerikanische Firma OliveTree steht für Bibelsoftware auf mobilen Endgeräten. Nach längerer Zeit bietet sie nun ein signifikantes Update für den „BibleReader“ an. Die Version 6.0 hat zwar noch die Build-ID „biblereader.olivetree“, nennt sich aber offiziell „Bible+“ oder „The Bible Study App“. Sie wird für alle gängigen Plattformen angeboten: iOS, Mac OS, Windows und Android. Auf der Website www.olivetree.com finden sich die unterstützten Betriebssysteme sowie die erhältlichen Inhalte. Im Folgenden wird „Bible+ Version 6“ für Android auf einem SONY Z3 compact Tablet (Android 5.0.2 Lollipop) vorgestellt.

Zugang und Installation

„The Bible Study App“ kann über den Google Play Store oder über die Website von OliveTree kostenlos heruntergeladen werden. Einige Inhalte werden kostenfrei angeboten. Die für das seriöse Arbeiten mit der Bibel wichtigen Module müssen jedoch separat bezahlt werden. Sie liegen preislich meist unter den vergleichbaren gedruckten Büchern, insbesondere, wenn man eine der vielen Rabattaktionen ausnutzt. Außerdem können mit einem Account die Inhalte auf bis zu fünf verschiedenen Geräten (z.B. sowohl auf dem Smartphone als auch auf einem Tablet) genutzt werden.

Wer von einer älteren BibleReader-Version auf „Bible+ 6.0“ umsteigt, kann dies über einen Update-Vorgang durchführen. Dabei bleibt der gespeicherte Login-Account erhalten, man muss jedoch die bisher gekauften Inhalte nochmals herunterladen. Das verursacht ein gewisses Datenvolumen und dauert eine Zeitlang, läuft aber in aller Regel problemlos.

Darstellung

Die Darstellung erfolgt standardmäßig mit einem geteilten Bildschirm (split screen), d.h. man kann zwei Bibelausgaben synchron vergleichen oder ein Wörterbuch in den zweiten Bildschirmteil legen. Im folgenden Beispiel befindet sich das Tablet im Querformat, aufgeschlagen sind Psalm 23 in der Biblia Hebraica Stuttgartensia und in der Lutherbibel von 1984:

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Die Fonts sind sehr gut lesbar. Man kann durch ein Wischen seitenweise scrollen („blättern“). Alternativ kann man in den Einstellungen das Scrollen auf vertikal bzw. zeilenweise abändern. Im Hochformat sieht die Anzeige so aus:

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Durch einen Doppel-Tipp auf eine leere Stelle im Text wird das Menü ein- bzw. wieder ausgeblendet. Mit Menü sieht etwa der Anfang des Römerbriefes so aus:

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Dass hier der vorausgehende Vers, also der letzte aus der Apostelgeschichte oben im Menü angezeigt wird, dürfte noch ein kleiner Fehler im Programm sein. Inzwischen ist im Übrigen auch die 28. Auflage des „Nestle-Aland“ mit der morphologischen Analyse von William D. Mounce und Rex A. Koivisto erhältlich.

Das Buchsymbol im Menü führt zur Auswahl der Textausgaben sowie zum „Store“, in dem weitere elektronische Bücher erworben werden können. Das Symbol mit den drei Strichen und drei Punkten öffnet die Auswahl der Bibelstelle. Der Koffer enthält die „eigenen Dinge“: persönliche Notizen zu einzelnen Stellen, Lesezeichen, Markierungen, Bibellesepläne. Die drei Punkte öffnen zwei verschiedene Menüs: Mit den „Quick Settings“ ändert man rasch die Fontgröße und die Fontart. In den Advanced Settings kann man vieles einstellen, z.B. auch die Art des Scrollens (seitenweise horizontal oder zeilenweise vertikal) oder das Verhalten der beiden Fenster. Den kleinen „Griff“ zwischen den beiden Fenstern kann man anfassen und hin- und herschieben, so dass sich die jeweilige Größe der Fenster ändert.

Originalsprachliche Bibeln

Die bei OliveTree erhältlichen originalsprachlichen Bibeln, Wörterbücher und gängigen modernen Übersetzungen sind auf der Website übersichtlich angegeben. Man kann aber auch auf dem mobilen Gerät von der eigenen Bibliothek in den „Store“ gehen und weitere Ressourcen zukaufen. Unter anderem werden jetzt auch die textkritischen Apparate zur Biblia Hebraica Stuttgartensia, zur Septuaginta-Ausgabe und zum griechischen Neuen Testament angeboten.

Funktionen

Über die reine Textdarstellung hinaus bietet The Bible Study App Informationen zur grammatischen Analyse eines Wortes („parsing“) und einen Link zu eventuell vorhandenen Wörterbüchern. Im folgenden Beispiel zu Psalm 23 wird einmal kurz auf das hebräische Wort für „Hirte“ getippt. Es öffnet sich ein kleineres Fenster auf der Oberfläche:

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Schaut man die entsprechende Wortwurzel im Lexikon nach („Lookup“), so öffnet sich ein eigenes Fenster mit dem Eintrag aus dem Hebräisch-Englischen Lexikon von Brown, Driver und Briggs (BDB):

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Suche in originalsprachlichen Bibeln

Neben der einfachen Suchfunktion, die über das Lupen-Symbol erreichbar und intuitiv erlernbar ist, bietet die Version 6.0 vielfach verbesserte Suchmöglichkeiten in den originalsprachlichen Bibeln. Dazu kann man zum einen von einer vorhandenen Stelle mit einem bestimmten Wort ausgehen und die Suche nach diesem Wort „in this form“ wählen. Dann werden alle Belege exakt dieser Form ausgegeben. Im folgenden Beispiel wurden alle Stellen mit ἐγέννησεν gesucht:

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Hier wurde also eine morphologische Suche nach Belegen des Verbs γεννάω im Aorist Indikativ Aktiv, dritte Person Singular durchgeführt. Gefunden werden „18“ – gemeint sind damit 18 Verse, die diese Form (ἐγέννησεν) enthalten. Diese Angabe ist etwas verwirrend, weil man vermuten könnte, es gäbe nur 18 Belege. Was diese statistischen Angaben angeht, muss OliveTree noch etwas nachlegen und die Darbietung der Zahlen klarer fassen. Die auffällige Mischung von Deutsch und Englisch in der Benutzeroberfläche ist auch etwas gewöhnungsbedürftig.

Der Suchstring *[γεννάω]*[VAAI3S]* kann nun geändert werden. Will man beispielsweise alle Belege des Verbs bekommen, so ersetzt man alles, was nach dem „V“ für „Verb“ kommt, durch ein Sternchen: *[γεννάω]*[V*]*. Im Ergebnis sind es nun 64 Verse:

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Weil BibleWorks im Vergleich 65 Verse ausgibt, fragt man sich, welcher Vers fehlt. Tatsächlich ist hier die Form γεγεννήμεθα in Joh 8,41 (Perfekt Indikativ Medium erste Person Plural) nicht erfasst. Sucht man hingegen nicht über den Suchstring, sondern einfach nach γεννάω, so werden alle 65 Verse angezeigt. Hier gibt es also noch kleinere Fehler zu beheben.

Aufgrund der Rechtsläufigkeit ist es im Hebräischen sehr schwierig, den Suchstring nach den eigenen Wünschen zu verändern. Auch da müsste noch nachgebessert werden.

Will man griechische oder hebräische Wörter direkt eintippen, so muss man sich in seinem Android-Betriebssystem die entsprechende Tastatur herunterladen und dann bei der Eingabe entsprechend auswählen. Dieser Vorgang funktioniert erstaunlich gut. Allerdings können nicht alle hebräischen Zeichen über die hebräische Androidtastatur, die eigentlich für modernes Hebräisch (Ivrit) ausgelegt ist, eingegeben werden. Im folgenden Beispiel – zur Abwechslung wieder im Querformat – wurde das Tetragramm über die hebräische Tastatur eingegeben und dann gesucht:

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Das Ergebnis zählt 5787 Verse mit mindestens einem Beleg des Tetragramms:

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Sowohl BibleWorks 10 als auch Logos/Verbum zählen hier 5790 Verse. Es konnte nicht herausgefunden werden, worauf die Differenz zurückgeht.

OliveTree bietet auch eine Such-Syntax für Fortgeschrittene, die einfache Kombinationssuchen und „wildcards“ erlaubt. Erläuterungen dazu sind auf der Homepage zu finden: Olive Tree Advanced Search Syntax.

Fazit

Insgesamt sind die Suchfunktionen in „The Bible Study App“ gegenüber früheren Versionen des BibleReader entscheidend verbessert worden. Bisherige Einschränkungen, etwa bei sehr vielen Belegen, sind überwunden. Auch kann man mittlerweile den Suchbereich auf bestimmte Bereiche (Kanonteile) der Bibel oder auf einzelne Bücher limitieren. Dennoch gibt es in Sachen Bedienfreundlichkeit sicher noch einige Punkte, die verfeinert werden könnten.

Gewonnen haben auf jeden Fall die Textdarstellung und Übersichtlichkeit, auch die Handhabung ist insgesamt besser geworden. Es bleibt weiterhin faszinierend, eine Fülle von Textausgaben auf seinem Smartphone oder Tablet in die Jackentasche stecken zu können.